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Fragen an Lisette Müller-Jaag zur Umweltpolitik Mai 2011
Wie lange engagierst du dich schon für energiepolitische Anliegen?
Bereits 1973 hatte ich Gelegenheit, das im Bau befindliche Kernkraftwerk in Gösgen aus der Nähe zu betrachten und mich über die Faszination dieser Technik einerseits, gleichzeitig aber auch über die Risiken in Kenntnis zu setzen. Besonders in Erinnerung ist mir die Aussage „die Erforschung der Kernenergie verschlingt Unmengen von Geld – wenn wir ebenso viel Geld in die Erforschung erneuerbarer Energien gesteckt hätten, wäre auch deren Entwicklung so weit fortgeschritten“. Das war vor fast 40 Jahren. Das packte mich und das hat mich politisiert.
Was verbindet dich mit "Zürich erneuerbar"? (ausser, dass du
Präsidentin bist)
Weniger Energie brauchen und diesen aus erneuerbaren Quellen beschaffen ist das Credo unseres Vereins und es ist auch meine persönliche Devise. Für mich ist Zürich Erneuerbar ein hoffnungsvoller Beweis dafür, dass überparteiliche Arbeit gut funktionieren kann. Wir haben eine sehr konstruktive Zusammenarbeit und sind alle der Überzeugung, dass Umwelt und Klima zu wichtig sind, als dass sie von einer einzigen Partei „gepachtet“ werden können. Anstrengungen von allen Seiten sind nötig und gemeinsames Engagement ist effizient und erfolgsversprechend. Wir leisten Informationsarbeit und sehen dabei, dass sehr viele Menschen gewillt sind, etwas für‘s Klima zu tun – sie sind dankbar um Information und konkrete Impulse.
und "Strom für morn"?
Die kantonale Volksinitiative ist ein weiteres Beispiel meines Engagements für die konsequente Erzeugung und Verwendung erneuerbarer Energien. Sie ist durch das Zusammenwirken von Politikerinnen und Politikern aus 6 verschiedenen Parteien zustande gekommen und wird in wenigen Wochen eingereicht: www.stromfuermorn.ch.
gibt es andere Projekte, bei denen du engagiert warst oder bist?
Mein Mann und ich haben uns 2001 bei der eidg. Abstimmung für den Solarrappen stark engagiert – der Bezirk Affoltern war der einzige Landbezirk Schweizweit, in welchem ein dreifacher Ja-Stimmenanteil von über 50% erreicht wurde. Als Schulpräsidentin gab ich 1996 den Anstoss zu einer grossen Holzschnitzelheizung in Knonau und als Kantonsrätin reichte ich das bereits 2009 überwiesene Postulat zur Senkung des CO2-Ausstosses um 3% pro Jahr ein.
du hast dich bisher vor allem kantonal engagiert. Was sind deine wichtigsten Anliegen auf nationaler Ebene?
In der Energiepolitik sind es verbindliche Ziele auf Bundes- und Kantonsebene wie z.B. Mindestanforderungen und Fördermassnahmen. Kurzfristig ist dies z.B. eine ausreichende KEV, Kostendeckende Einspeisevergütung, damit Potenziale genutzt und Bauwillige unterstützt werden und eine Lenkungsabgabe auf Strom. Mittelfristig sehe ich eine ökologische Steuerreform, sowie die Optimierung der Stromübertragungsnetze und flächendeckender „smart grid“ zur Nutzung verfügbarer Einspeisepotenziale. Stromeffizienz und der Ersatz sämtlicher nicht erneuerbaren Energiequellen ist das Langfristziel. Die Umsetzung müssen wir jetzt schon einleiten und konsequent verfolgen. Das dient auch unserer Wirtschaft; es schafft Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region. Energiestadt und 2000Watt-Gesellschaft sind Schritte in die richtige Richtung.
Wie stellst du dir die Energieversorgung der Schweiz vor nach dem
Atomausstieg?
Weniger Energie brauchen und diese ausschliesslich aus erneuerbaren Quellen beziehen. Durch Effizienzsteigerung mit baulichen Massnahmen und Mindestanforderungen an Anlagen, Geräte, Motoren und Beleuchtung lässt sich der Verbrauch laut Berechnungen um bis zu 60% senken. Die restlichen 40% des heutigen Stromverbrauchs sind aus Photovoltaik, Wind, Biomasse, Abfallverbrennung und natürlich auch weiterhin aus Wasser zu beschaffen. In einer Übergangszeit sind auch kombinierte Gas- und Blockheizkraftwerke denkbar. Für die CO2-Bilanz sind sie zwar schädlich, doch sie haben den Vorteil, dass die Investitionen kleiner sind und ihr Rückbau keine hochgiftigen Abfälle hinterlässt.
Energieverbrauch
verringern
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