Lisette Müller-Jaag Lebenslauf

Am 19. Juli 1951 wurde ich in Zürich geboren und durfte hier eine unbeschwerte Jugend erleben. Ich durchlief die Primar- und Mittelschule, liess mich zur Sozialarbeiterin ausbilden und machte am Rande der Stadt meinen Berufseinstieg.

Siebenköpfige Familie
Meine grosse Familie hat mich geprägt. Ich wurde als zweitjüngstes Kind geboren und bin mit vier Geschwistern aufgewachsen.
Da war man kaum je allein. Das Teilen war selbstverständlich und Rücksicht zu nehmen gehörte zum Alltag. Für die Ferien, die wir fast ausnahmslos im Toggenburg verbrachten, durfte jeweils jede/r von uns noch ein „Gschpänli“ mitnehmen. Da wurde gespielt und gewandert und immer auch wieder viel gelacht. Noch heute fühle ich mich wohl in kleineren und grösseren Gruppen, ich liebe die Geselligkeit und geniesse persönliche Begegnungen.


Wir alle waren Pfadfinder/in. Bei den Pfadi Manegg durchschritt ich die ganze Laufbahn, wurde Gruppen- und schliesslich Zugführerin. Wie spielerisch ich bei der Pfadi das Organisieren und Planen lernte, wurde mir erst später bewusst. Und auch das Übernehmen von Verantwortung wurde wohl damals gestärkt. Am Samstagabend – oft schmutzig, nass und mit kalten Füssen, - empfing uns die Mutter mit der ach so willkommenen heissen Fidelisuppe.

Gewässerschutz
Mein Vater war Naturwissenschafter und Professor an der ETH und entdeckte Mitte des letzten Jahrhunderts im Rahmen seiner Forschungsarbeit als Botaniker die Verschlechterung der Wasserqualität in den schweizerischen Gewässern. Die Sanierung und Verhinderung der Verunreinigungen des Wassers und die Sicherstellung gesunden Trinkwassers für die Zukunft wurde für ihn zur Lebensaufgabe. Er widmete in der Folge seine ganze Schaffenskraft dem Gewässerschutz. Dabei wurde er zu einem der ersten Mahner für den Umweltschutz. Er gründete die EAWAG und später das Seenforschungslaboratorium in Kastanienbaum, wirkte in nationalen und internationalen Gremien mit und formulierte erste Gesetzesartikel für den Gewässerschutz. Teils belächelt, oft bekämpft und allmählich sogar ernst genommen, erlangte er schliesslich Anerkennung im In- und Ausland. Er wurde zu einem bekannten Fachmann und gilt heute als Pionier des Gewässerschutzes. ¨


Ich erinnere mich, wie wir als Kinder grossen Respekt vor unserm Vater hatten, ein wenig Angst auch und das Gefühl, ihn mit der ganzen Welt teilen zu müssen. Er war beruflich ausserordentlich engagiert. Doch auch die Familie bedeutete ihm viel, selbst wenn er für sie nur wenig Zeit und Aufmerksamkeit aufwenden konnte. Doch das machte die gemeinsamen Momente umso kostbarer. Am Sonntagabend mischte er jeweils die Karten und rief die ganze Familie fürs gemeinsame „Elferraus“ zusammen. Auf weiten Spaziergängen und Wanderungen dozierte er uns die Pflanzennamen und überzeugte uns offenbar derart von ihrer Wichtigkeit, dass ich heute noch sehr viele Blumen und Bäume von weitem erkenne. Er war ein fröhlicher Mensch, zielstrebig und engagiert. Von ihm habe ich wohl gelernt, für meine Überzeugungen einzustehen und sie mit Klarheit, Beharrlichkeit und Phantasie zu verfolgen.

 



 
  12-Sep-2003 aktualisiert
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